Ich wollte aufstehen. Wochenlang. Und es ging nicht.
Nicht, weil ich keine Lust hatte. Es war keine Kraft da, weder im Kopf noch im Körper. Alles war leer, taub und erschöpft. Es gab keinen Grund aufzustehen, keine Motivation, nichts hatte einen Sinn.
Das war keine Faulheit und keine Wahrheit über mein Leben. Das war die Krankheit.
Wenn du mir auf Instagram folgst, siehst du Hausboot, Kater und Wasser. Das ist alles echt. Aber es ist nicht das ganze Bild. Ich habe Depressionen und in den letzten Wochen hatte ich eine schwere Episode.
Wie es dazu kam
Eigentlich bin ich nur nach Hause gekommen, weil meine Eltern in den Urlaub fahren wollten und jemand auf Haus und Katzen aufpassen musste.
Aber die Wochen davor auf dem Hausboot waren echt schwer. Es ging nichts voran und ein Rückschlag folgte dem nächsten. Das hat mich vermutlich tief in diese neuerliche Episode hineingetrieben.
Zwischen einer Poolparty bei Freunden und dem Urlaub meiner Eltern wollte ich noch kurz zum Hausboot fahren. Das hat sich aber schnell erledigt, weil es mir schon da nicht gut ging.
In den Monaten davor hatte ich meine alten Psychopharmaka abgesetzt, in Absprache mit meinem Arzt. (Hinweis: Das ist meine Geschichte und keine Empfehlung. Medikamente absetzen oder umstellen gehört in ärztliche Hände.)
In der Woche, in der meine Eltern im Urlaub waren, hatte ich zum Glück eh einen Termin beim Psychiater. Er hat mir direkt ein neues Medikament verschrieben. Danach kam der tiefe Absturz.
Wie die Tage aussahen
Die Rollos waren fast die ganze Zeit unten. Anfangs habe ich hauptsächlich geschlafen, mit dem Fernseher im Hintergrund. Irgendwann habe ich angefangen, Filme und Serien zu schauen. Dazu kamen Gedankenspiralen, aus denen ich nicht rausgekommen bin. Völlig sinnloses Zeug, immer wieder.
So verging ein Tag nach dem anderen. Schließlich Wochen.
Meine Eltern waren anfangs total besorgt. Aber ich war nicht in der Lage, mit ihnen zu reden. Nicht mal per WhatsApp. In der schlimmsten Phase kann man nicht schreiben, weil man die Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, nicht aufschreiben kann. Selbst die einfachsten Fragen wie „Wie geht's dir?“ oder „Können wir was für dich tun?“ kann man nicht beantworten.
Werbung Deshalb habe ich ihnen ein Buch gegeben: „Mit dem schwarzen Hund leben“ von Matthew und Ainsley Johnstone. Es erklärt Angehörigen und Freunden, wie sie depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Seitdem lassen sie mich größtenteils in Ruhe.
Aber ich war fast nie allein im Bett.
Am Anfang war hauptsächlich Snuggles bei mir, entweder zu meinen Füßen oder ein Stück höher. Das kennt er schon. Wenn ich bei meinen Eltern bin, ist er meistens oben bei mir auf dem Dachboden, während Lehmann sich unten bei meinen Eltern herumtreibt. So war es diesmal auch.
Mit der Zeit hat sich das geändert. Irgendwann war auch Lehmann fast nur noch oben bei mir. Dann waren wir zu dritt im Raum. Je länger mein Zustand dauerte, desto zutraulicher wurde er. Er kam von selbst zu mir ins Bett und hat viel mit mir gekuschelt.
Unsere Bindung ist in dieser Zeit noch fester geworden.
Was sich langsam gewandelt hat
Schließlich hat das Medikament ein bisschen gewirkt. Irgendwann konnte ich mein MacBook wieder aufklappen und zumindest meine Mails anschauen. Mehr nicht. Aber es war der erste Schritt zurück.
Wo ich heute stehe
Mittendrin.
Am Montag war ich wieder beim Psychiater. Er hat mir ein weiteres neues Medikament verordnet, das ich seit gestern nehme. Mir geht es damit einigermaßen okay. Mehr kann man nach einem Tag noch nicht sagen.
Zum Boot bin ich diese Woche immer noch nicht gefahren. Mein Bootsbauer antwortet mir mal wieder nicht und ich gehe davon aus, dass es immer noch nicht fertig ist. Deshalb habe ich mir die Fahrt geschenkt. Ich achte jetzt erst mal nur auf meine Gesundheit.
Wenn du gerade selbst mittendrin steckst
Hör auf deinen Körper. Verurteile dich nicht für diese Krankheit. Lass geschehen, was geschieht. Wehr dich nicht dagegen.
Du bist damit nicht allein.